Entdeckungen Schweden

Seafood-Luxus ohne Schickimicki

Auf Safari an Schwedens Westküste

Austern, Miesmuscheln, Hummer: die Küste Westschwedens ist ein Paradies für beste Meeresfrüchte. Auf einer Seafood-Safari kann man sie nicht nur sehen, sondern auch fangen und meist auch ganz frisch aus dem Meer essen.

Ein Artikel aus unserem Nordis-Magazin 4/18 Text & Fotos: Sascha Rettig

Statt Champagner wird ein Bier aus der Nachbarstadt eingeschenkt. Und auch sonst erinnert nichts an die Dekadenz, die gern mit Austern verbunden wird. Die Umgebung hat weder das Ambiente eines Gourmet-Restaurants, noch wird Wert auf elegante Kleidung gelegt. Im Gegenteil: Auf der Seafood-Safari steht man ganz bodenständig in Gummistiefeln und Overalls vor der gemütlichen Holzhütte auf der kleinen Privatinsel. Die Austern allein sind hier der Luxus – und könnten nicht frischer sein. Gerade eben befanden sie sich noch im Wasser. Jetzt greift Lars Marstone eine nach der anderen aus dem Korb und öffnet sie mit seinem kleinen Messer, bis das Dutzend für jeden voll ist.

Sie sind köstlich und schmecken intensiv: nach salzigem Meer und der Küste Westschwedens, die längst nicht nur für Austern einen exzellenten Ruf hat, sondern auch für Muscheln, Krebse, Garnelen und Hummer.

Anders als bei einer Großwildbeobachtung in Afrika kann man auf solch einer schwedischen Safari die Tiere teilweise direkt aus dem Meer essen.

Erster Gang: Austern

Wenn man den bärtigen Schweden Lars dabei auf seinem fast 70 Jahre alten Boot sieht, könnte man sich vorstellen, dass der Mittsechziger selber lange als Fischer zur See gefahren ist. Mit Meeresfrüchten beschäftigt er sich aber erst, seit ihm mit seiner Frau Maivor die Idee zu der Safari kam. Obwohl sie all diese Köstlichkeiten direkt vor der Nase hatten, kam ihnen vorher nie der Gedanke, sie auch zu essen. Seit einigen Jahren ist das anders – und nicht nur bei den beiden. Die Nachfrage nach schwedischen Austern ist enorm gestiegen. Trotzdem werden davon nur verhältnismäßig wenige zum Verkauf angeboten.

Die Ernte ist schließlich nicht ganz einfach. Die Austern liegen in vier bis zehn Metern Tiefe und dürfen nur von Hand in den Gewässern eingesammelt werden, die zum eigenen Grund gehören. Das Land um Lars‘ Farm, das Stück Küste, die Insel nahe der Kleinstadt Lysekil sind seit über 250 Jahren in Familienbesitz. Regelmäßig fährt er dort mit Tauchern los, die die Austern einsammeln. Dass das Wasser dabei kalt und sauber ist und der Salzgehalt stimmt, ist für die Austern gut. Darin wachsen sie langsamer und werden fleischiger. »Nach drei, vier Jahren sind sie etwa so groß wie ein Handteller, dann kann man sie ernten«, erklärt er und holt eine pazifische Auster aus dem vollen Korb auf dem Steg. Die haben eine länglichere Form, wachsen schneller und haben sich in den vergangenen Jahren auch in dieser Region stärker verbreitet.

Zweiter Gang: Miesmuscheln

Doch auf der Seafood-Safari bleibt es nicht bei den Austern. Es folgt ein zweiter Gang: Miesmuscheln. Lars hat sie selber gezüchtet und vorher auch gezeigt, wie das funktioniert. Mehrere Kilometer Seil hat er dafür ins Wasser gelassen, an dem sie wachsen, dicht an dicht, sodass man das Seil gar nicht mehr sehen kann. »Wie groß ist euer Appetit noch?«, fragt Lars später auf der Insel – eine rhetorische Frage, denn schon ist der Topf auf der kleinen Gaskochstelle vor der Hütte voll und muss nur noch mit Weißwein und Sahne aufgegossen werden. Fünf Minuten ist das Miesmuschel-All-You-Can-Eat-Essen fertig – und der Bauch kurze Zeit später zum Safari-Finale genauso voll wie der Blecheimer mit den leeren Schalen.

Infokasten

Seafood-Safaris
Im westschwedischen Lysekil bietet Lars Marstone seine mehrstündigen Seafood-Safaris an, die 89 € pro Person kosten. Lysekil Ostron & Musslor, www.lysekilsostronomusslor.se

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NORDIS Redaktion

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