Entdeckungen Norwegen

Schmaler und schmaler – Fahrt durch den Nærøyfjord

Als sich vor etwa 10.000 Jahren das Inlandeis aus Skandinavien zurückzog, hatte es ganze Arbeit geleistet. Die meisten spitzen Bergkuppen waren fleißig abgefräst und zu runden Fjellen „verarbeitet“ worden. Land wurde durch die Gletscherlast nach unten gedrückt, und hebt sich im Zuge der Druckentlastung noch heute einige Millimeter pro Jahr, Täler konnten Schmelzwässer tief ausschürfen.

Besonders mächtig waren die Gletschermassen dort, wo die heutigen Fjorde ihre größte Tiefe unter dem Meeresspiegel erreichen. Mit über 1300 Metern geht es im Sognefjord nahe Balestrand besonders weit hinab. Der längste Fjord Europas reicht zudem bis zu 204 Meter ins Binnenland und endet erst zu Füßen der über 2000 Meter hohen Berge Jotunheimens. Nach etwa zwei Dritteln des Weges zweigt vom Hauptarm der schon deutlich schmalere Aurlandsfjord nach Süden ab, vom dem sich nach 10 Kilometern gen Westen der Nærøyfjord abspaltet.

Nur einer Laune der Natur ist es zu verdanken, dass dieser die Qualifikation zum Meereswasserarm schaffte. An zwei Engstellen, von denen die schmalste gerade einmal 250 Meter misst, ist sein Wasser nur acht Meter tief. Ein nur etwas geringerer Gletscherdruck hätte also dazu geführt, dass er das Schicksal des am Nordfjord gelegenen Hornindalsvatn geteilt hätte und ein See geworden wäre. Ein Glück, dass es nicht so kam, denn so kann diese unter dem Schutz der UNESCO stehende Naturattraktion heutzutage vom Boot aus erlebt werden. 

Die meisten Ausflüge starten im Kreuzfahrtort Flåm. Entsprechend voll sind die Katamarane. Weitaus empfehlenswerter ist es daher, mit der Fähre durch den Fjord zu reisen. Diese hat ihren Ausgangs- bzw. Endpunkt in Kaupanger nahe der Hochschulstadt Sogndal und ist zwischen de, 1. Juni und dem 30. Septemeber in Betrieb.

Die rund zweistündige Fahrt führt zunächst quer über den Sognefjord und in Teilen durch den Aurlandsfjord. Mit dem Beginn des Nærøyfjords gewinnt die Natur zunehmend an Dramatik. Bis über 1700 Meter hohe Berggiganten überragen das schmale Gewässer. An den Felswänden stürzen zahllose Wasserfälle hinab, der höchste von ihnen, der Kjelfossen nahe Gudvangen, überwindet dabei stattliche 840 Meter, was ihn zu einem der höchsten seiner Art auf der Welt macht.

Bilder und Text: © Martin Schmidt

Besonders fotogen gibt sich der Fjord unweit des Miniaturortes Bakka. Die kleine Kirche aus dem Jahre 1859, die sattgrünen Almen und grauen Bergflanken ergeben ein einmaliges kontrastreiches Bild. 

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