Norwegen Outdoor

Lofoten – Wanderung auf den Mannen und Entspannung am Strand von Haukland

Ich gebe es zu, wettertechnisch haben wir uns nicht den besten Tag für eine Wanderung ausgesucht. Aber da unsere Zeit begrenzt ist und es in Norwegen ja eigentlich nie schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, machen wir uns morgens auf nach Haukland. Seit knapp zwei Wochen sind wir jetzt mit unserem Caddy und Hundedame Lotti in Norwegen unterwegs. Von Varanger über Hammerfest und Senja hat es uns nun auf die Lofoten verschlagen. Am zweiten von vier geplanten Tagen befinden wir uns auf der Insel Vestvågøy. Eine schmale Straße führt uns zu einem der wohl bekanntesten Strände der berühmten Inselkette, dem Hauklandstranda.

Mit ein wenig Tetris ergattern wir den letzten Parkplatz. Obwohl uns bewusst ist, dass sich die Region im Laufe der letzten Jahre immer größerer Beliebtheit erfreut, sind wir doch überrascht, wie viele Menschen es heute hierher verschlagen hat. An einem nicht sehr sonnigen Tag. Nachdem wir unsere Wanderung beginnen, merken wir jedoch, dass es sich überwiegend auf den Strand konzentriert. Denn nach den ersten hundert Metern ist von dem Menschenandrang rein gar nichts mehr zu spüren. Da der Weg nicht wirklich gekennzeichnet ist, folgen wir den ausgetretenen Pfaden Richtung Gipfel.

Die Wanderung auf den Mannen kann beginnen

Zunächst geht es steil im Zick-Zack nach oben. Am ersten kleinen Pass teilt sich der Pfad. Einer führt nach Uttakleiv und der andere, so hoffen wir, zum Gipfel des Mannen. Unbeschreiblich schön soll die Aussicht sein. Deswegen können wir es kaum erwarten, den Gipfel zu erreichen. Der Weg führt entlang des Grates, was uns immer wieder eine erste Ahnung von dem gibt, was uns erwarten könnte – einen 360-Grad-Blick über die Insel, den Strand mit seinem türkisfarbenen Wasser, über die wolkenverhangenen Berge und das endlos blaue Meer. Dass wir auf die Sonne heute verzichten müssen, damit haben wir uns bereits abgefunden. Über uns wälzen sich graue Wolken entlang, und so lange kein Regen daraus fällt, sind wir zufrieden.

Das ein oder andere Mal sind wir sogar ganz froh, dass die Sonne heute nicht unbarmherzig auf uns herabscheint. Während wir ganz schön ins Pusten kommen, läuft Lotti aufgeregt vor uns her. Ich lasse sie aber lieber an der Leine, da das Gelände doch recht steil ist. Als wir den Gipfel das erste Mal sehen können, ahnen wir Schlimmes. Dicke Nebelschwaden ziehen an ihm entlang, und wir hoffen, dass es sich noch für einen Moment hält, damit wir den hoch angepriesenen Ausblick auch wirklich sehen können.

Wie man sehen kann, sieht man gar nichts

Wir haben gehofft, aber es sollte nicht sein. Als wir das Gipfelkreuz erreichen, ist alles was wir sehen, eine weiße Wand. Entfernt kann man leichte Konturen erahnen. Eventuell einen See oder Berge. Ab und zu schimmert es ein wenig Türkis durch den dicken Nebel. Elke schaut mich an. »Du wolltest doch wissen, wie Wolken schmecken!« Wir müssen lachen. Nun ja, ein atemberaubender Ausblick könnte das schon sein. Erfahren dürfen wir es auch nach einer gewissen Wartezeit nicht. Also treten wir den Rückweg an, der sich als viel spektakulärer herausstellt als gedacht. Heute gilt wohl umso mehr »Der Weg ist das Ziel«.

Als sich weiter unten der Nebel etwas lichtet, eröffnet er uns den freien Blick auf den Grat. Es ist zwar nicht der Ausblick, den wir eigentlich erwartet hatten, aber er ist mindestens genauso atemberaubend. Eine mystische Stimmung umgibt uns, während wir uns gar nicht sattsehen können. Immer wieder muss ich anhalten, um diese Atmosphäre in mich aufzusaugen. Unbeschreiblich, auch wenn ganz anders als erwartet. Aber ist es nicht meistens das Unerwartete, was in Erinnerung bleibt?

Verfolger in mystischer Stimmung

Für den Rückweg brauchen wir fast länger als für den Aufstieg. Aber wir haben ja zum Glück den ganzen Tag Zeit. Als wir wieder am Zick-Zack-Weg ankommen, bemerken wir, dass wir verfolgt werden. Zwei kleine Lämmer schleichen sich immer weiter an, und wir fragen uns, ob sie todesmutig oder einfach nur wahnsinnig neugierig sind. Lottis Aufmerksamkeit haben sie längst, und so hocken wir uns ins Gras und beobachten ihr Treiben. Kaum eine Armlänge von ihnen entfernt, hechtet Lotti plötzlich nach vorne. Ich hänge an der Leine, die Lämmer springen davon und unsere Hundedame, die fordert die beiden tatsächlich zum Spielen auf. Was für ein Anblick. Sie folgen uns noch ein Stück des Weges, doch lange dauert es nicht, da meckert Mamaschaf von oben, und die beiden Kleinen laufen widerwillig zurück.

Entspannung am Strand von Haukland

Kurze Zeit später sind wir wieder am Haukland Strand. Der Menschenandrang ist noch nicht abgerissen, also verziehen wir uns erst einmal an das äußerste Ende. Genießen unsere Stulle beim Rauschen der Wellen, toben mit Lotti über den feinen Sand und strecken unsere Zehen ins eiskalte Wasser. Nachdem es sich langsam lichtet, kämpfen sich tatsächlich ein paar Sonnenstrahlen durch die scheinbar undurchdringbare Wolkendecke. Eine faszinierende Lichtstimmung bettet sich in die Landschaft. Ich kann meinen Blick gar nicht abwenden. Jede Sekunde sieht es wieder anders aus. Und auch wenn der Gipfel des Mannen sich mittlerweile in seiner vollen Pracht zeigt, sind wir völlig zufrieden und glücklich. So sollte sich Freiheit anfühlen.

Weitere Informationen über unsere Zeit auf den Lofoten findest du hier: https://www.thenorthtraveller.de/8400-km-durch-den-norden-zwischen-wohnmobilen-und-unbaendiger-natur-auf-den-lofoten/

Über den Autor

The Northtraveller

Ich bin Steffi und habe Norwegen in meiner Jugend kennen und lieben gelernt. Seitdem zieht es mich so häufig wie möglich in den Norden – neue Berggipfel erobern, neue Pfade entdecken und jedes Mal auf das Neue die Freiheit genießen. Meine Abenteuer teile ich auf meinem Blog www.thenorthtraveller.de, wo es auch Tipps rund um euren Norwegenurlaub gibt.

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