The 12th Man

Jan Baalsrud will leben!

Eine Rezension von Hans Klüche

Eisiger Winter. Nordnorwegen, Provinz Troms. Ende 1943, mitten im Krieg. Zwölf norwegische Widerstandskämpfer brechen von den Shetland Inseln aus mit dem Kutter Brattholm, vollbeladen mit Sprengstoff, zu einer Sabotagemission auf. Alles läuft schief. Ihr erster Kontaktmann an Land ist nicht da. Der, den sie stattdessen antreffen, ist Informant der Gestapo. So werden sie bei der Landung von einer Übermacht deutscher Soldaten angegriffen, einige sofort getötet, der Rest gefasst, später brutal verhört, gefoltert und hingerichtet. Nur Jan Baalsrud (Thomas Gullestad) entkommt, durchnässt und angeschossen.

In den folgenden zwei Monaten zeigt er unmenschlichen Überlebenswillen. Ständig Deutsche im Nacken aber von norwegischen Patrioten unterstützt, flieht er durch eisige Einsamkeit ins neutrale Schweden. Grandiose Bilder zeigen die Landschaft eigentlich zu schön, um darin jemanden so unmenschlich leiden zu sehen. Während Frost- und Wundbrand an Baalsrud zehren, er tagelang in einsamen Hütten, Höhlen oder unter Felsen ausharrt, von Fliegern beschossen und von Lawinen verschüttet wird, verbeißt sich Gestapo-Kommandeur Kurt Stage immer mehr in die Jagd nach ihm. Stage erkennt, dass Baalsrud zusehends zum Mythos wird. Sein Überleben im unwirtlichen, nordnorwegischen Winter gibt den Norwegern Mut:

Man kann den Nazis trotzen!

„The 12. Man – Kampf ums Überleben“ lehnt sich an eine wahre Begebenheit an, 1957 als ›Ni Liv‹ schon einmal verfilmt und damals als norwegischer Kandidat für den Fremdsprachen-Oscar ins Rennen geschickt. Cineasten schwärmen davon immer noch als bester norwegischer Film aller Zeiten. Jetzt hat sich der norwegische-niederländische Regisseur mit langjähriger Hollywood-Erfahrung Harald Zwart den Stoff wieder vorgenommen. Dessen bisheriges cineastisches Werk mit vornehmlich leichten Komödien wie „One Night at McCool’s“  oder „The Pink Panther 2“  lässt nicht gerade erwarten, dass er sich an einen so ernsten und für Norwegen so ungemein patriotischen Stoff macht.

Immerhin ist Jan Baalsrud (1917–1988) eine sowohl in Großbritannien als auch in Norwegen mit hohen militärischen Orden ausgezeichnet Legende. Der britische Militärhistoriker David Howarth, selbst als Marine Offizier an der norwegisch-britischen Aktion „Shetland-Bus“ zur Unterstützung des Widerstandes gegen die deutschen Besatzer in Norwegen beteiligt, machte Baalsruds Überlebenskampf 1955 mit seinem Dokumentarroman „We Die Alone: A WWII Epic of Escape and Endurance“ berühmt.

Touristen-Route zu Originalschauplätzen

Die Region Lyngenfjord im äußersten Norden Nordnorwegen bietet sogar eine touristische Route zu den Originalschauplätzen der Flucht „Auf den Spuren von Jan Baalsrud“. Viele auch ungewöhnliche Stationen wie die „Baalsrud Höhle“, kaum mehr als eine Felsspalte, in der der so gut wie bewegungsfähige Baalsrud drei Wochen in Eiseskälte überlebte, sind markiert und über Wege zugänglich gemacht.

Zurück zum Film: Der ist perfekt inszeniert, seine Bilder beeindrucken, aber es wirkt nicht zeitgemäß, wenn er 75 Jahre nach den Ereignissen den Helden und seine Unterstützer vorbehaltlos heroisiert und die meisten Deutschen als eher dumpfe Nazis eindimensional zeichnet, allen voran den schreienden, brüllenden, psychopathischen Gestapo Mann Stage.

Die Rolle dieses gnadenlosen, geradezu manischen Antagonisten hat Zwart mit dem Iren Jonathan Rhys Meyers (u. a. „The Tudors“) besetzt, der dafür extra Deutsch lernen musste. Beachtlich, aber im norwegischen Originalton hört man seinen Akzent doch so, dass er für die deutsche Fassung noch einmal „synchronisiert“ wurde. Von den Überzeichnungen der Personen abgesehen bleibt aber ein beeindruckender Film über eine beeindruckende Episode des Zweiten Weltkriegs.

Auch im O-Ton auf DVD

Etwas überraschend ist die FSK Freigabe ab 12 Jahre. Immerhin werden im Film Widerstandskämpfer massiv gefoltert, hingerichtet und ihre Leichen in ein Massengrab gestoßen, und der Protagonist schneidet sich die abfaulenden Zehen ab, um den Wundbrand zu unterbinden, der sein Leben bedroht – nicht gerade Szenen, die man zwölf- oder 13-Jährigen unbedingt zeigen will.

Die deutsche DVD/Bluray enthält neben der Synchron- auch die norwegische Originalfassung mit Untertiteln sowie ein „Behind the Scenes“ mit kurzen Statements des Darstellers und anderen Beteiligten, alle auf Norwegisch mit Untertiteln. Die norwegische Originalfassung des Hauptfilms kann man wegen der vielen deutschsprachigen Sequenzen auch als zweisprachig bezeichnen, selbst mit dem oben erwähnten Akzent von Jonathan Rhys Meyers. Immerhin steht ihm mit Martin Kiefer als Wehrmachtsoffizier Walter Wenders ein deutscher Schauspieler zur Seite, der einzige übrigens, der in deutschen Fassung bei einem Verhör ein paar Worte Norwegisch spricht.

The 12th Man – Kampf Ums Überleben (Nor.: Den 12. mann), N Kino 2017, D DVD 2018, Constantin Film, Hauptfilm 136 Min. DVD/Bluray und Stream ca. 13–14 €, FSK 12.

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