Mit dem Bus durch winterliche Weiten

Ein finnisches Winterabenteuer

Text & Fotos: Stefanie Becker

Wenn die Seen Kareliens und der Bottnische Meerbusen von dicken Eisschichten überzogen sind und sich das waldreiche Land unter einer dicken Schneedecke versteckt, beeindruckt Finnland mit frostiger Schönheit. Bei nicht mehr ganz so eisigen Märztemperaturen bleiben während einer erlebnisreichen Busrundreise weder Komfort noch Abenteuer auf der Strecke.

Helsinki begrüßt uns mit majestätischer Zurückhaltung. Der weggeräumte Schnee liegt zu graumatschigen Hügeln getürmt am Straßenrand. Vereinzelt treiben noch Eisschollen auf dem Wasser im Hafenbecken. Strahlend heben sich dagegen der Dom und die russisch- orthodoxe Kirche vom klaren Winterhimmel ab. Die Sonne taucht die Stadt in helles, fast schon frühlingshaftes Licht.

Sonnig ist auch das Gemüt der Stadtführerin, die unsere Reisegruppe am Fährterminal in Empfang nimmt und unseren Busfahrer durch die Straßen der Hauptstadt navigiert. Sie stellt sich uns als Kielo vor.

»Das bedeutet auf Finnisch Maiglöckchen«,

ergänzt sie fröhlich. Nach kurzen Stopps beim Sibelius-Denkmal im Stadtpark und der berühmten Felsenkirche bleibt noch ein bisschen Zeit für eine Mittagspause in der populären Kaupahalli, der alten Markthalle im Hafen Helsinkis. Dort verabschiedet sich Kielo und überlässt unserer Reiseleiterin das Busmikrofon. 

Unser erstes Tagesziel ist Kuopio, knapp 380 Kilometer nördlich von Helsinki gelegen. Dank der Anekdoten und Geschichten, die unsere Reiseleiterin zu den Orten, die wir passieren, beisteuert, vergehen die Stunden im Bus fast wie im Flug. An den Panoramafenstern des Busses rauscht die winterliche Landschaft an uns vorbei: weiß, grau, grün. Verschneite Felder, zugefrorene Seen und dichte Tannenwälder. Je weiter wir gen Norden kommen, desto schneereicher wird die Welt um uns herum. Gegen Abend erreichen wir Kuopio. Es bleibt noch etwas Zeit für einen Spaziergang durch den winterlich verschlafenen Stadtkern, dann treiben uns die Kälte und Müdigkeit ins Bett.

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Mit Schneeschuhen geht’s durch verschneiten Wald

Unter Eis und Schnee verpackt liegt nahe des Hotels der See Kallavesi, dem wir am nächsten Tag einen kurzen Besuch abstatten. Schlittschuh- und Skilangläufer ziehen hier bereits frühmorgens ihre Runden über die weite Eisfläche. Nach einem Spaziergang auf dem zugefrorenen See geht es für uns weiter nach Tahko. Im mittelfinnischen Wintersportgebiet wartet auf uns das erste kleine Abenteuer: eine Schneeschuhwanderung durch den verschneiten Wald.

Elena und Marie von Tahko Safari weisen uns ein und helfen, die etwas sperrigen Schneeschuhe an die Füße zu bugsieren. Dann geht es los. Einer nach dem anderen stiefeln wir über die verschneiten Waldwege. Eine Zeit lang ist das Knirschen des Schnees unter den Bigfoots das einzige Geräusch, das man hört. Die Sonne strahlt vom postkartenblauen Himmel. Auf den Bäumen glitzern vereinzelte Schneereste, die bei dem frühlingshaften Wetter allmählich tropfend davontauen.

Wir erreichen eine Lichtung im Wald. Aus einer Holzhütte auf der Lichtung zieht Rauch aus dem Schornstein. Zeit für eine Kaffeepause. Elena und Marie haben ein Holzfeuer entfacht und schenken nun heißen Saft und Kaffee aus. Wer mag, kann sich dazu ein Würstchen an langen Grillgabeln über der Glut brutzeln. So gestärkt und aufgewärmt stiefeln wir anschließend zurück zum Safari-Basecamp, wo der grüne Reisebus schon auf die Weiterfahrt wartet.

Das Eisschloss entführt seine Besucher in eine Glitzerwelt aus Eis und Schnee

Unterbrochen von kleinen Pausen an Raststätten und inmitten winterlich verschneiter Landschaften erreichen wir am späten Nachmittag Oulu, Finnlands fünftgrößte Stadt und die nördlichste Großstadt der EU. Von hier starten wir am nächsten Morgen noch weiter gen Norden. Das Ziel ist Kemi mit seinem berühmten Eisschloss »Luminlinna«. Imposant ragen die Burgmauern aus Schnee vor der zugefrorenen und schneebedeckten Ostsee in den wolkengrauen Himmel. Im Hintergrund ergänzen eisüberzogene Birken und rote Holzhäuschen das Winterpanorama.

Eine Museumsmitarbeiterin führt uns ins Innere des in diesem Jahr von russischen Schneemetzen und chinesischen Eisskulpteuren gefertigten Schloss. Jedes Jahr bekommen andere Eiskünstler die Gelegenheit, unter einem wechselnden Motto das Gebäude aus Eis und Schnee zu gestalten. Diesmal lautet es »Burg in der Burg«. Überall entdeckt man Eisskulpturen, die geradewegs aus einem mittelalterlichen Diorama entsprungen scheinen. Ein dicker Mönch bewacht den Eingang zur Eisbar, an der ein Ritter in Rüstung den Bierhumpen hebt.

Frostige Eisbar trifft auf ofenwarme Zimtschnecke

Auf dem Weg zu den Zimmern des Schlosses, in denen Gäste auf mit Rentierfellen gepolsterten Betten übernachten können, bevölkern geschnitzte Märchengestalten aus Schnee die Wände: ein Magier, ein Drache, ein Riese und ein Gaukler. Auch der »Thronsaal« und die Eiskapelle, in der man tatsächlich auch heiraten kann, stehen in diesem Jahr ganz im Zeichen einer echten Burg. Nach dem vielen Eis und den spürbar frostigen Temperaturen kommen anschließend ein heißer Kaffee und eine ofenwarme Zimtschnecke im Café des Schlosses gerade recht.

So aufgewärmt bleibt noch die Zeit, ein paar Schritte über die zugefrorene Ostsee zu stapfen, ehe alle wieder in den beheizten Bus klettern, um die Rückfahrt anzutreten. Zurück in Oulu bleibt Zeit für einen kleinen Stadtbummel. Einen Besuch wert ist vor allem der an den Ufern des – zugefrorenen – Flusses Oulujoki gelegene Marktplatz mit seiner rotgeziegelten Markthalle und den alten Speicherhäuschen aus Holz, in denen heute Cafés, Bars und kleine Boutiquen beheimatet sind.

Mit Hundeschlitten geht es auf Rundfahrt durch das Winterwälchen

Aufgeregtes Hundegebell begrüßt uns am nächsten Morgen in Vuokatti. Wir sind zu Gast bei Päivi und ihren »64 Kindern«, wie sie ihre Huskys und Schlittenhunde liebevoll bezeichnet. Gemeinsam mit ihrem Mann Kimmo betreibt sie nahe der Stadt das Schlittenhund- Center von »Vuokatti Safari«. Sommers wie winters geht es mit den Hunden auf ausgedehnte Mehrtagestouren in die umliegenden Wälder. Im Sommer mit besonderen Rollern und Rollwagen, im Winter natürlich mit den Hundeschlitten.

Wir haben das Schnupperprogramm gebucht und werden auf einem kleinen Waldparcours unser Talent als Musher erproben. Päivis Tochter und eine weitere Mitarbeiterin zeigen uns, wie man die Schlittengespanne lenkt und bremst. Dann geht es los. Fröhlich kläffend graben die Hunde ihre Pfoten ins Eis, Schnee stiebt auf, die Schlitten düsen los.

Im Wechsel drehen wir mit den Schlitten Runde um Runde durch das kleine Wäldchen. Die Vierbeiner sind auf den kurzen Wegen nicht wirklich müde zu kriegen. Mit ungestümer Begeisterung holen sie sich bei der Vorstellungsrunde im Anschluss zahlreiche Streicheleinheiten ab, ehe uns Päivi in der beheizten Hütte des Centers zu Kaffee und Zimtschnecken einlädt.

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Auch bei Wintersportlern ist die Region ein beliebtes Ziel

Später am Nachmittag machen wir Halt im Skigebiet von Vuokatti. Rund zehn Kilometer Piste stehen hier Skifahrern und Snowboardern zur Verfügung. Wir wagen uns – allerdings nur zu Fuß – einige Meter auf den dick verschneiten Hang. Auf den Pisten herrscht reger Betrieb. Skifahrer sausen an uns vorbei ins Tal. Von hier oben genießt man bei weniger diesigem Wetter sicherlich eine hervorragende Aussicht.

Aber auch so ist der Blick ins Tal beeindruckend. Dass sich Vuokatti bei Wintersportlern großer Beliebtheit erfreut, ist auch bei einem abendlichen Winterspaziergang nicht zu übersehen. Rund um unser Hotel sind im nahe gelegenen Wald zahlreiche Loipen gespurt und auf einem der zugefrorenen Seen skatet eine ganze Horde ambitionierter Langläufer an uns vorbei.

Auf uns wartet das nächste Winterabenteuer in Nurmes am Pielinen, dem mit rund 895 Quadratkilometern fünftgrößten See des Landes. Diesmal geht es mit motorisierten Schlitten aufs Eis. Dick verpackt in Schneeanzüge, Helm und Winterstiefel bekommen wir von Matthias und Janne die Handhabung der Schneemobile erklärt.

»Das ist genau wie früher auf dem Mofa«,

freut sich einer der Mitreisenden. Nur dass die Scooter, wenn man denn will, mit erheblich mehr Tempo übers Eis brettern. Wir halten uns jedoch lieber unter der gesetzlichen Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde und ziehen, immer zu zweit auf einem Mobil und der Spur des vorausfahrenden Guides Janne folgend, in großen Schleifen unsere Runden über den See.

Nachdem wir uns anschließend aus den »Michelinmännchen«-Anzügen gepellt haben, erwartet uns im benachbarten Bomba-Haus ein traditionelles karelisches Büfett mit eingelegtem Fisch, einem wärmenden Fleischeintopf, frisch gebackenen Piroggen, Beeren und vielen anderen Köstlichkeiten. Untermalt wird die heimelige Atmosphäre in dem ehemals russischen und nun in Finnland wieder aufgebauten Holzhaus durch traditionelle karelische Musik.

Fantastische Aussichten beschert der Anstieg auf den Gipfel des Koli

Von Nurmes aus führt unsere Reiseroute zum Koli-Nationalpark. Eine Bahn bringt uns die ersten hundert Meter hinauf auf den Berg. Gegenüber spuckt ein Skilift immer wieder neue Gruppen an Skifahrern aus, die gleich wieder die Pisten hinabsausen. Ein Stückchen weiter führt ein Wanderweg bis zum Gipfel. Eine kurze Rücksprache mit einer Dame in der Tourismuszentrale vor Ort, dann haben wir das Okay.

Der Weg ist begehbar. Ein Teil der Gruppe bleibt trotzdem lieber im Warmen und stöbert im Tourismusbüro nach Souvenirs. Vorbei an dick verschneiten Nadelbäumen und fast bis zur Spitze eingeschneiten Wanderschildern stapfen wir anderen hangaufwärts. Die letzten Meter erfordern schon ein wenig Klettergeschick, dafür werden wir jedoch mit einer traumhaften Aussicht auf den Pielinen und den Koli-Nationalpark belohnt, der sich unter unseren Füßen bis zum Horizont ausbreitet.

…und schließlich geht es mit der Fähre heimwärts

Die bereits tief stehende Sonne am winterblauen Himmel taucht die Landschaft in unwirkliches Licht. Ein märchenhafter Moment. Rutschend und schlitternd meistern wir anschließend das erste Stück des Abstiegs, ehe wir wieder – trittfesten Schnee unter den Füßen – zum Ausgangspunkt der kleinen Wanderung laufen und uns gemeinsam auf den Weg zurück zum Bus machen.

Nach einer letzten Übernachtung im nordkarelischen Joensuu und einem kleinen Zwischenstopp im malerischen Porvoo, das sich – dem Ruf als »Sommerstadt« gerecht werdend – mit frühlingshaft sonnigem Wetter von uns verabschiedet, geht es samt Bus in Helsinki an Bord der Finnlines-Fähre, die uns in eineinhalb Tagen Fahrt zurück nach Travemünde bringen wird. Zeit genug, all die winterlichen Reiseerlebnisse in entspannter, gemütlicher Runde Revue passieren zu lassen.

Die zehntägige Busrundreise „Winterabenteuer Finnland“ mit AK Touristik führt von Kiel über Stockholm nach Helsinki über Kuopio, Oulu bis nach Kemi und über Vuokatti, Joensuu und Helsinki zurück bis nach Kiel und kosten inklusive Übernachtung in Sokos-Hotels, Halbpension und Winterprogramm rund 1.765 Euro/p.P.

Nächster Reisetermin: 8. bis 16. März 2018.

Mehr Informationen unter www.aktouristik.de oder telefonisch unter Tel. 0431/77 70 00.