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Julehjerte – Das Herzstück dänischer Weihnacht

Ohne Julehjerte kein Weihnachten. Das klassische geflochtene Herz ist aus der dänischen Weihnachtszeit nicht wegzudenken – und ganz ehrlich: Warum sollte es auch? 

Sie hängen an Fenstern, als Girlanden an Türen und Durchgängen oder natürlich am Weihnachtsbaum. Und es gibt sie mittlerweile in allen erdenklichen Farben, Formen und Materialien. Sogar als Keks!

Einen Weihnachtsbaum mit kleinen Schmuckstücken zu behängen, wird erstmals 1822 in der Zeitung Nyeste Skilderi af Kjøbenhavn beschrieben. Tatsächlich dienten die an den Baum gehängten Stücke einerseits als Dekoration, andererseits aber waren sie eine Art Behältnis für Essbares, das nicht direkt in den Baum gehängt werden konnte wie z.B.  Nüsse oder Äpfel.

HC Andersen bastelte das erste Herz

Das älteste Julehjerte wird dem großen Märchendichter HC Andersen zugeschrieben, der in den 1860er Jahren ein Weihnachtsherz in Grün und Gold herstellte, um es Mathilde Ørsted zu schenken. Später gelangte das Herz in das HC Andersen Museum in Odense, wo es heute noch zu bewundern ist.

In dem Magazin  Nordisk Husflids Tidende erschien 1871 die erste Anleitung für ein Julehjerte. Und an der kann man sich noch heute orientieren, denn selbstgemacht ist doch immer am schönsten, oder nicht?

Man braucht dazu lediglich zwei Stücke Papier unterschiedlicher Farbe– in der Regel ist das Glanzpapier, muss aber natürlich nicht. Momentan gibt es wirklich schön bedrucktes Papier in allen Farbnuancen, wichtig ist nur, dass das Papier nicht zu dick ist. Entsprechend zugeschnitten, werden die Stücke ineinander verflochten, so dass sie ganz ohne Klebstoff halten. Ankleben muss man gegebenenfalls  lediglich einen kleinen Henkel (den man am besten aus den Papierabschnitten bastelt), um die Herzen aufhängen zu können. 

So wird’s gemacht: Das Weihnachtsherz in der einfachsten Form

Neben einem einfachen geflochtenen Herz gibt es eine Fülle an Formen- vom Engel über den Dannebrog bis hin zu Sternen, Eisbären und einer Vielzahl an geometrischen Formen. Alles ist möglich. Und alles wird an den Baum gehängt.

Als es mal bei Lehmanns fast brannte

Dabei ist der Brauch, einen Baum zu schmücken und sich in die Wohnung zu stellen, in Dänemark noch nicht sehr alt. Die Tradition stammt aus Deutschland, wo es bereits Berichte aus dem 16. Jahrhundert über diese Tradition gibt.

Über den ersten Weihnachtsbaum in Dänemark gibt es zwei Berichte.

Der erste, der nicht dokumentiert und daher unter Umständen nur ein Gerücht ist, besagt, dass im Jahre 1808 der erste Weihnachtsbaum aufgestellt wurde. Und zwar auf Schloss Holsteinborg auf Seeland (das Schloss, auf dem H.C. Andersen viel Zeit verbrachte, allerdings viel später).

Da ersterer also nicht bewiesen werden kann, spricht viel für Bericht Nummer zwei. Dieser platziert den  ersten  Weihnachtsbaum drei Jahre später, also 1811, bei Doktor Martin Lehmann, seiner Frau Frederike und Sohn Orla in Kopenhagen in der Ny Kongensgade 221.

Doktor Lehmann kam aus Holstein und brachte die Sitte, einen Weihnachtsbaum aufzustellen und zu erleuchten, mit nach Dänemark. Berichten zufolge versammelten sich Schaulustige, um zu beobachten, wie Lehmanns aus Holstein Kerzen am Tannenbaum anzündeten. Einigen schien das alles so gefährlich, dass sie die Feuerwehr informierten, die auch mit großem Hallo anrückte

Peter hatte bereits einen Weihnachtsbaum

Aber der Weihnachtsbaumbrauch breitete sich nicht sehr schnell aus, auch wenn in Peters Jul der Weihnachtsbaum bereits zum festen Bestandteil von Weihnachten zu gehören scheint. Erstmals herausgegeben wurde Peters Jul 1866, Verfasser ist Johan Krohn. Die Ausgabe enthielt mehrere Illustrationen von Otto Haslund und Pietro Kuhn, dem Bruder des Verfassers.

In der Geschichte Peters Jul folgen wir Peter, einem Jungen aus gutem Hause, der Ende des 19.Jahrhunderts Weihnachten erlebt – Adventszeit, Heiligabend, die Weihnachtstage, Silvester bis hin zum Dreikönigstag, dem Tag, an dem die Weihnachtszeit endgültig vorbei ist.

Für viele ist Peters Jul der Inbegriff dänischer Weihnacht. Wir erfahren von Weihnachtsbaum und Weihnachtsgans, Kerzen, Schnee und dem Weihnachtsmann, der allen artigen Kindern Geschenke bringt. Von Peters Familie, die Weihnachten hyggelig miteinander verlebt. Der alten Großmutter, die zu Besuch kommt und Peter spannende Geschichten zu erzählen weiß. Alles in allem eine Beschreibung von richtig hyggeligen Weihnachten, wie es früher einmal war. Die Geschichte ist in Versform verfasst, viele Strophen sind sehr bekannt, vor allem den Anfang können viele Dänen auswendig:

Jeg glæder mig i denne tid
nu falder julesneen hvid,
så ved jeg julen kommer
Min Far hver dag i byen går
og når han kommer hjem, jeg står
og ser hans store lommer.*

Lediglich in feineren Kreisen und der reicheren Bürgerschaft eroberte der Weihnachtsbaum schnell  die heimischen Stuben. Das war mitunter ganz praktisch begründet: das Geld für Baum, Kerzen und Baumschmuck musste erstmal „übrig“ sein, was es bei einem Großteil der Bevölkerung einfach nicht war. 

Dichterkreise und Künstler übernahmen das Brauchtum um den Tannenbaum gerne, so wird z.B. von Oehlenschlæger und Heiberg sehr früh berichtet, dass sie Weihnachten einen Tannenbaum hatten. Und selbst Grundtvig war nach anfänglicher Gegenwehr schon in den 1820er Jahren stolzer Besitzer eines Weihnachtsbaumes. 

Peter Faber, der 1847 eines der bedeutendsten dänischen Weihnachtslieder, nämlich Højt Fra Træets grønne Top („Hoch von der grünen Spitze des Baumes“)  schrieb und nicht zuletzt H.C. Andersens Märchen Grantræet („Der Tannenbaum“) und Den lille pige med svovlstikkerne (Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“) trugen ihren Teil zur Verbreitung und Einzug des Weihnachtsbaumes in die dänischen Wohnzimmer bei.

* Übersetzt heißt das (möglichst wortgetreu und ungereimt):
Ich freue mich in dieser Zeit
jetzt fällt der Weihnachtsschnee weiß
so weiß ich, dass Weihnachten naht/kommt
Mein Vater geht jeden Tag in die Stadt
und wenn er wieder nach Hause kommt, stehe ich
und sehe seine großen Taschen.

Über den Autor

KAPIDAENIN

Schon seit ihrer Kindheit liebt Sibille den Norden und vor allem Dänemark. Nach einem Skandinavistikstudium (M.A.) arbeitete Sibille einige Zeit im Tourismusbereich in Dänemark. Zurück in Schleswig-Holstein betreute und leitete Sibille europäische Mobilitätsprojekte und Projekte mit Fokus auf den skandinavischen Arbeitsmarkt. Seit 2016 schreibt sie den Dänemark-Blog KAPIDAENIN und arbeitet als freie Übersetzerin.
Neben Dänemark haben es Sibille vor allem Finnland und Island angetan.

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