Islands Süden – Der Schöpfung ganz nah

Ein fotografischer Reisebericht von Bettina & Uwe Wontora

Wer in Islands Süden die Ringstraße1 zwischen Skogar und Höfn fährt, ist der Schöpfung ganz nah. Egal ob das Wetter bewölkt, regnerisch oder sonnig ist, immer spürt man die gewaltige Natur und ihre Macht. Bei Skogar rauscht der gewaltige Skogafoss (Wasserfall, 60m) zwischen moosbewachsenden Felsen hinab, sodass man die Gischt ganz nah spürt.

Skogafoss3

Nur wenige Kilometer weiter, geht es auf der Straße 221 in 5 km zum Sólheimajökull, der zum Myrdalsjökull gehört. Vom Parkplatz ist die Gletscherzunge gut zu erreichen. Die bizarre Eiswelt ist hier schwarz/weiß, da Vulkanasche im Eis eingeschlossen ist.

Sölheimajökull1
Sölheimajökull2
Sölheimajökull4
Sölheimajökull5

Wer sich für „Lonely Places“ interessiert, muss unbedingt zum Plane Wreck. Das Flugzeug, DC3, ist 1973 am schwarzen Lavastrand Islands notgelandet. Leider ist das Flugzeugwrack nur nach einem 45 Min. beschwerlichen Fußmarsch, durch eine kahle schwarze Mondlandschaft zu erreichen. Und dann, wenn man schon nicht mehr laufen kann, erblickt man nach einer Anhöhe, wie aus dem Nichts die DC3: fantastisch! Auch wenn das Wrack ziemlich ausgeschlachtet ist, lohnt sich die Tour.

Plane Wreck3

Wieder auf der Ringstraße ändert sich die Landschaft in eine geisterhafte, unwirkliche Elfenbewohnte Natur; Eldrauhn. Eldrauhn ist ein 25 km langes Lavafeld, dass sich links und rechts der Straße entlangzieht. Es ist eine buckelige, krustige, moosbewachsene Lavawelt, die keinen Fahrfehler entschuldigt. Nur an vereinzelten Parkbuchten ist ein Halten und erleben der Fabelwelt möglich.

Eldrauhn5

Gerade noch geträumt, wird die Natur wieder machtvoll. Skeiðarársandur ist ein Sander (isl. sandur), d.h. eine Schwemmlandschaft, die durch eine 904 m lange Brücke erschlossen wurde. 1996 kam es zu einem verherrenden Vulkanausbruch des Grimsvötn, wodurch der gewaltige Gletscherlauf mit seinen Wassermassen und Eisblöcken, die Brücke zerstörte. Heute erinnern Infotafeln und ein verbogener Brückenpfeiler an die Katastrophe.

Brückenpfeiler1

Kurz hinter Skaftafell geht es zum Svínafellsjökull, der eine Glescherzunge des Vatnajökull ist, Islands größtem Sub-Glacier-Volcano. Er ist gut und schnell zu erreichen und es ist wirklich atemberaubend, wie die Gletscherzunge in Kaskaden in die Lagune reicht. Eine Gedenktafel erinnert hier an zwei junge deutsche Eiskletterer, die 2007 spurlos verschwanden. Schönheit und Tragödie liegen nah beieinander.

Svinafellsjökull1

Der Höhepunkt der südlichen Ringstraße ist die Gletscherlagune Jökulsárlón, die Straße führt über eine Brücke, die die Lagune mit dem Meer verbindet. Rechts und links der Brücke treiben bizarre Eisblöcke in wunderbaren Farben: türkisgrün, weißblau, weißschwarz. Ein gewaltiges Naturspiel, das einen selbst klein vorkommen lässt.

Jökulsarlon Brücke

Am pechschwarzen Lavastrand des Atlanik liegen felsgroße Eisblöcke, die wie Diamanten wirken.

Eisblock2

Bei einer Zodiac-Schlauchboot-Tour auf der Lagune, kommt man dem Breidamerkurjökull, der zum Vatnajökull gehört, ganz nah. Das Kalben des Gletschers, durch brechendkrachende Eisblöcke, sowie die treibenden Eisblöcke, die an Eisskulpturen erinnern, ist faszinierend.

Zeit sollte man sich nehmen und die in der Lagune treibenden Eisblöcke beobachten, wie sie durch die Strömung hin und her wandern, dabei zusammenstoßen, kippen und wieder neue Formationen bilden. Übrigens es dauert bis zu sieben Jahren, bis die Eisblöcke ins offene Meer gelangen. Auch bringt die Tide lustige Gesellen mit sich: zahlreiche Seehunde, die hier einen gedeckten Tisch finden.

Seehund1

Plane Wreck: DC3, Koordinaten: N 63° 27.524´  W 19° 21.835´

Zodiac-Tour: Ice Lagoon www.icelagoon.com