Indian Summer am Polarkreis

Magie des Morgens

Text: Kerstin Pöller

Man sagt, ein kleines bisschen Hund steckt in jedem Husky. Mag sein. Aber: Ein Hund wacht. Huskys nicht. Ein Hund bellt. Huskys nicht. Wo bitte soll also dieses bisschen Hund stecken? Heike Kontermann schmunzelt. Für ihre drei Husky-Welpen ist heute ein besonderer Tag. Die jüngsten Mitglieder ihres „Burning Snow“-Teams tauschen in diesem Moment ihren kuschligen Platz neben dem Küchenofen im lappländischen Tjappsåive mit dem großen Zwinger am See.

Der sonnige Spätsommertag mit knapp 20 Gradist ideal, um ihr künftiges Rudel und die große weite Tundra im schwedischen Norden kennenzulernen. „Huskys sind etwas Besonderes“, erklärt Heike, die aus der Schwäbischen Alb stammt und vor ein paar Jahren mit Michael Jeckel nach Schweden ausgewandert ist.

Huskys bauen zu ihren Mushern eine enge Bindung auf

„Diese kleinen Energiebündel sind unsere Partner. Sie sind zum Ziehen geboren, ziehen bis zum Neunfachen ihres Körpergewichts, lieben Schnee und gehen Wege, die kein Auto, auch kein Pferd schaffen würde. Sie opfern sich jeden Tag aufs Neue für „ihren“ Menschen auf.“ Und zwar für jeden, der mit ihnen arbeitet, für ihre „Rudelführer“ genauso wie für jeden Gast, der auf dem Wagen oder Schlitten steht.

Um so eine Bindung aufbauen zu können, gehören Huskys für die meisten Musher, wie man die Schlittenhundeführer nennt, zur Familie. Während Heikes Leithündin Sukker ihren tapsenden Nachwuchs stolz dem Rudel präsentiert, liegt im rund 150 Kilometer entfernten Sorsele Spannung in der Luft: Die Kinder Balz (12), Siri (10) und Luzi (8) warten gespannt auf die Geburt der Welpen.

So wird das Training der Schlittenhunde zum Erfolg
„Unsere Huskys bekommen alle Zeit, die sie brauchen, um starke und treue Gefährten zu werden“, sagt Matthias Schnyder. Gemeinsam mit seiner Frau Barblina wanderte er vor 8 Jahren aus der Schweiz nach Schwedisch-Lappland aus und gründete am Ufer des Flusses Vindelälven die Firma Erlebnis-Wildnis und Outdoor-Ticket AB. Bei den Schnyders können Gäste ganz individuell Urlaub machen, das Hundeschlittenfahren erlernen und es zwischen Dezember und April in vollen Zügen genießen.

 „Der Herbst jetzt“, so Matthias, „hat für uns etwas Persönliches.“ Nach dem turbulenten Sommer – die beiden beherbergen Angel-Gäste und betreiben dieTourist-Information der Gemeinde – nimmt er sich Zeit, mit seinen Kindern die Angeln im glasklaren Fluss auszuwerfen, Pilze und Preiselbeeren zu sammeln oder die ersten Polarlichter als Vorboten des Winterszu beobachten.

Für die Huskyfarm-Betreiber ist frühes Aufstehen angesagt

„Mit dem Training der Huskys fangen wir später an als viele Kollegen. Die Hunde sollen im Dezember für die Gäste fit sein, wir haben keinen Wettkampfdruck. Den hat Steffen Neuman von der Huskyfarm Veijejaur 50 km weiter. Für ihn und Uschi Schulze aus Sachsen klingelt der Wecker schon seit Anfang August um 4 Uhr, wenn ihre Gäste noch tief schlummern.

„Es sollte nicht wärmer als 10 Grad sein, wenn wirdie Hunde vor das Quad spannen“, erklärt er. Um seine Huskys für ein 650 Kilometer langes Rennen fit zu bekommen, sollen sie bis Ende Januar 3 bis 4.000 Trainingskilometer in den Beinen haben.

Hier werden die Husky-Schlitten noch selbst gebaut
Lang ist auch die sonstige Arbeitsliste des Paares, um den Gäste-Winter optimal vorzubereiten: Es muss repariert, gebaut und gemalert werden. Die Huskys brauchen rund 1.500 Booties (Söckchen zum Laufen) pro Winter, gutes Futter – bis zu einem Kilo Fleisch am Tag – und Stroh für ihre Hütten. Und Schlittenbau-Bestellungen warten, Steffen baut Schlitten selbst. A

m Bauen ist auch sein Nachbar Andreas Barth vom Huskycamp Gasa. Seine neuen Zwinger bekommen den letzten Schliff, der Blockhausbaukurs ist gerade beendet. Auch er trainiert seine Huskys bereits, geht mit den Leithunden spazieren und übt Kommandos, um die flinken Vierbeiner für die Saison fit zu machen.Denn nicht nur erfahrene Musher, sondern auch Anfänger jeden Alters sollen das wunderschöne Gefühl genießen können, lautlos durch die traumhaft schöne Landschaft zu gleiten.

„Ich freue mich auf den Winter“, sagt Andreas, während sich sein riesiger schwarzer Bärenhund an ihn kuschelt und mit lautem Bass in das sehnsüchtige Indian-Summer-Huskygeheul einstimmt. Ihm huscht ob der lustigen Melodie ein Lächeln ins Gesicht. „Grizzly hat es von unseren Huskys gelernt. Ein bisschen Wolf steckt eben in jedem Hund!“

Weitere Infos unter: www.swedishlapland.de