Des Königs botanischer Garten

Text & Bilder: Christine Birkel (finnweh.de)

In den Irrungen und Wirrungen der revolutionären Jahre um 1917 gab es unterschiedliche Bestrebungen, wie es mit Finnland weitergehen sollte. Eine Option hätte dabei Deutschland mit Suomi noch mehr verbunden. Als Residenz in Helsinki war das heutige Areal des botanischen Gartens Kaisaniemi vorgesehen. Und das ist seine Geschichte:

Zwischen Hakaniemi und Bahnhof, neben Töölö-See und Bahngleisen liegt er idyllisch im Herzen Helsinkis. Im Winter bettet sich der Botanische Garten eher unscheinbar in die Stadtlandschaft und doch zeigt er sein ganz besonderes Flair, wenn sich die Schneedecke über die Pflanzen legt. Dieser Ort ist aber nicht nur botanisch eine Besonderheit, sondern hätte fast auch eine geschichtlich große Rolle gespielt.

Was gedeiht in Kaisaniemi

Die Sammlung des botanischen Gartens Kaisaniemi umfasst neben einheimischen und winterharten Bäumen, Sträuchern und Gewächsen im Außenbereich, auch tropische, subtropische und Wüsten- bzw. Steinwüstenpflanzen in den Gewächshäusern – insgesamt rund 1300 Pflanzenarten. Viele Arten sind seit Anbeginn der finnischen Republik dort kultiviert worden. Die Räume sind, wie man es aus botanischen Gärten kennt, thematisch sortiert und so besitzt jeder Raum des Glashauses sein eigenes Mikroklima. Auf diese Art und Weise kann so auch im Norden Europas sehr Exotisches wachsen. Eine wahre Oase!

Eine wahre Besonderheit ist die Santa-Cruz-Riesenseerose. Dies Pflanze hat sogar die Bombardements im 2. Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden.

Der pavillionartige Glasbau aus der Jugendstilzeit bildet das passende Ambiente, um auch an kalten Tagen die Natur und vor allem das Grün zu genießen. Die Parkanlage und auch der Glasbau sind ganzjährig geöffnet und laden zum Verweilen ein. Sowohl im Sommer als auch im Winter kann dort auch Picknick gemacht werden. Im Gebäude selbst stehen kleine Tische und Bänke bereit. Im Sommer darf man sich auf den Grünflächen niederlassen. Es wird aber darauf hingewiesen, dass man zum einen so wenig Verpackung wie möglich verwenden sollte und zum anderen die Reste davon wieder gewissenhaft einsammeln und mitnehmen möchte, denn Naturschutz ist auch in einem Garten wichtig.

Zum vier Hektar großen Areal gehört auch ein Kahvila, in dem man sich stärken kann, und Verwaltungsgebäude der Universität, zu der der Garten gehört. Die Parkanlage bezaubert im Sommer mit seinen Teichen und blühenden Pflanzen. Jetzt im Winter strahlt der Garten eine angenehme Ruhe aus, wenn man durch den vollgeschneiten Park schlendert. Besonders hübsch dampft dann das tropisch beheizte Gewächshaus vor sich hin.

Ein Garten für den König von Finnland

Seine Anfänge fand der Garten 1763 als Governor Hans Henrik Böje ein Land pachtete und darauf einen Garten anlegen ließ. Mittels Gärtner wurde der Garten nach und nach über Jahrzehnte zu einem Park ausgebaut. Nachdem Helsinki 1812 Hauptstadt wurde wuchs die Bedeutung und die botanische Sammlung vergrößerte sich – auch durch Anschluss der Universität. 1889 wurde dann das Palmenhaus (das große Gewächshaus) errichtet. Es fügt sich mit seinen Seitenbauten gut in die symmetrische Aufteilung des Gartens ein.

Eine ganz andere Geschichte schreibt jedoch das Wohnhaus auf dem angeschlossenen Hügel. Nach dem Finnland 1918 bereits ein Jahr unabhängig war, war zunächst geplant, dass Friedrich Karl, Prinz von Hessen, finnischer Regent werden sollte – Der König von Finnland. Nachdem Deutschland den ersten Weltkrieg verloren hatte, trat Friedrich Karl von der Option zurück, die Regentschaft zu übernehmen. Auch hatte sich die Meinung in Finnland verändert und so wurde Suomi eine Republik. Der vermeintliche Königspalast dient heute als botanisches Museum und wurde 1903 erbaut.

Auch wenn das Museum nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, so ist der Garten und die Gewächshäuser ganzjährig geöffnet. An Freitagen gen Abend können die Glashäuser sogar ohne Einlassgebühr besucht werden. Egal, zu welcher Jahreszeit man Helsinki besucht, die Pflanzen sind stets ein Quell der Ruhe und laden ein, dass man dort seine Piirakka genüsslich isst.

In den letzten Jahren wurde die Außenanlage neu überarbeitet und angelegt und bis März 2017 kommt es immer wieder zu Renovierungsarbeiten an den Gewächshäusern. Wer die botanischen Gärten besuchen will, sollte sich vorab unbedingt im Internet informieren. Vielleicht erwischt man aber auch einen „Good Friday“: Dann nämlich – am ersten Freitag im Monat – ist der Eintritt frei.

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