Der goldene Zirkel – auf eigene Faust

Der goldene Zirkel (The Golden Circle) ist eine Touristenroute im Südwesten Islands unweit der Hauptstadt Reykjavík. Auf dieser Route können an einem Tag diverse Sehenswürdigkeiten besucht werden. Die Nähe zu Reykjavík macht diese Tour sehr beliebt bei Touristen und Anbietern von Tagestouren. Die klassischen Stationen des Golden Circle sind:

  • Nationalpark Þingvellir
  • Geothermalgebiet Haukadalur (Geysir)
  • Wasserfall Gullfoss
  • Kirche Skálholt
  •      Vulkankrater Kerið
At Þingvellir

Wer unabhängig von Anbietern sein will, kann die Golden Circle Tour eigenständig durchführen und sich an den einzelnen Stationen die Zeit lassen, die er dort verbringen möchte. Um die Tour zu fahren, reicht ein normaler PKW, da die Strecke bis auf ganz wenige Kilometer gut ausgebaut und asphaltiert ist. Um die Route zu beginnen, orientiert man sich in Reykjavík an den Hinweisschildern in Richtung Akureyri. Über die vierspurig ausgebauten innerstädtischen Straßen verlässt man die Stadt auf der Ringstraße und kreiselt sich von einem Kreisverkehr in den nächsten, bis bei Mosfellsbær die Straße 36 in Richtung Þingvellir abzweigt. Die Straße 36 trägt den Namen Þingvallavegur und führt anfangs durch ein Tal mit dem Namen Mosfellsdalur. Die Straße steigt stetig an, und man erreicht die Hochebene Mosfellsheiði, zu deren linker Seite einige Berge liegen. Der mit 774 Metern höchste Berg trägt den Namen Skálafell. Dieses Gebiet ist im Winter eines von zwei Hauptskigebieten im Einzugsgebiet von Reykjavík. Die Hochebene ist nur von niedrig wachsender Vegetation bedeckt und wird von einigen Seen durchzogen. Der größte dieser Seen, der Leirvogsvatn, liegt direkt an der Straße 36. Die Straße selbst erreicht eine maximale Höhe von 410 Metern. Entlang der Straße gibt es einige Möglichkeiten anzuhalten und den Ausblick über die Hochebene und gegen Ende über den Þingvallavatn zu genießen. An einem der Parkplätze wird man versucht sein, es den anderen Touristen nachzumachen und kleine Hügel aus Steinen zu bauen. Dies sollte man aber tunlichst unterlassen, da die Isländer auf diese touristische Art des „Vandalismus“ überhaupt nicht gut zu sprechen sind. Zuletzt wurden diese Steinhügel 2015 in einer großen Aufräumaktion abgebaut und Tonnen von Steinmaterial von diesem Platz entfernt. Aber leider mit mäßigen Erfolg, denn schon nach wenigen Wochen standen bereits wieder die ersten Hügel am Rande des Rastplatzes. Auf dem weiteren Weg zweigt nach rechts eine Straße zum Besucherzentrum von Þingvellir, einem rund 50 km2 großen Nationalpark, ab. Dort findet man in einer multimedialen Ausstellung Informationen zu diesem aus historischer und geologischer Sicht wichtigen Ort für die Isländer. Wer das gesamte Programm sehen möchte, sollte ca. 40 Minuten dafür veranschlagen. Der Eintritt ist kostenfrei. Lediglich für die Benutzung der Toilettenanlage fällt eine Benutzungsgebühr an. Seit Mai 2016 werden auch auf den größeren Parkplätzen, wie der am Besucherzentrum, Gebühren erhoben. Bezahlt werden diese an Parkticketautomaten mittels Kreditkarte oder Bargeld. Direkt am Besucherzentrum ist die Aussichtsplattform Hakið, von der man den Nationalpark Þingvellir überblicken kann. Auf einer Windrose findet man die notwendige Orientierung, um den Ausblick einzelnen Orten zuzuordnen. Wer mag, kann von hier aus das Gebiet zu Fuß erkunden und zwischen den Bruchkanten der Almannagjá (der Allmänner-Schlucht) spazieren. Der Fußweg führt einen an der Schlucht in Richtung des Öxarárfoss entlang. Dieser Wasserfall fällt pittoresk an der Bruchkante hinunter und ist eines der beliebten Fotomotive des Nationalparks.

Der Weg dorthin führt durch den für die Isländer historischen Teil dieses Gebietes. Im Þingvellir tagte die gesetzgebende Versammlung Alþing, eines der ältesten Parlamente der Welt. Hier wurde zum Beispiel im Jahr 1000 die Annahme des Christentums beschlossen. Þingvellir bedeutet auf Deutsch übersetzt nichts anderes wie „Volksversammlungsebene“. Regelmäßig trafen sich hier die Goden und deren Gefolgschaften, um Rechtsstreitigkeiten beizulegen und Gesetze zu verabschieden. Ausgewählt wurde dieser Ort, da er von allen Landesteilen gut erreichbar war und genügend Platz für die Menschen und Pferde bot. Zudem wurde er vom Fluss Öxará mit Frischwasser versorgt, und es gab eine natürlich gegebene gute Akustik, so dass die jeweiligen Sprecher des Alþing optimal zu hören waren. Die gute Akustik ist durch ein natürliches Plateau gegeben, das sich „Lögberg“ (dt.: Gesetzesberg) nennt. An diesem findet man heute eine Gedenktafel, die an das Alþingi, das isländische Parlament, erinnert. Überlieferungen zur Folge war die Zusammenkunft der Goden gleichzeitig ein großes Volksfest, auf dem sich Familien getroffen haben und auch die eine oder andere Ehe geschlossen wurde. Noch heute nennt sich das isländische Parlament Alþingi, tagt aber nicht mehr in Þingvellir, sondern in der Hauptstadt Reykjavík. Allerdings hat Þingvellir noch im 20. Jahrhundert seine Kulisse und historische Bedeutung zur Verfügung gestellt. Am 17. Juni 1944 wurde hier die Demokratische Republik Island ausgerufen. An diesem Tag feiert Island nun seinen Nationalfeiertag.

Im Þingvellir wurde nach der Entscheidung zur Annahme des Christentums die erste Kirche Islands gebaut. Die heutige Kirche Þingvallakirkja im Þingvellir wurde 1859 fertiggestellt und geweiht. 1907 wurde der Turm neu aufgebaut, in dem heute drei Glocken hängen. Die dritte Glocke wurde im Jahr 1944 zum Ausruf der Unabhängigkeit in der Kirche aufgehängt. Zu den Schätzen in der Kirche zählt eine Kanzel aus dem Jahr 1683 und ein von Ófeigur Jónsson gemaltes Altarbild aus 1834. In der Kirche gibt es noch ein weiteres Altarbild des dänischen Malers Anker Lund aus dem Jahr 1896. Das Taufbecken wurde 1962 von Gudmann Ólafsson entworfen. Neben der Kirche befinden sich fünf aneinandergereihte Häuschen mit dem Namen Þingvallabær, die heute als Sommerresidenz des isländischen Premierministers dienen.

Island gehört politisch gesehen zu Europa. Island ist aber nicht Mitglied in der Europäischen Union, sondern gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum und behält sich damit alle Freiheiten offen, die es im Laufe der Jahre errungen hat. Die wichtigste ist sicher die 200-Meilen Zone rund um die Insel, in der ausschließlich Isländer fischen dürfen und somit exklusiv die sehr fischreichen Regionen im Nordmeer für sich selbst beanspruchen. Ein Beitritt Islands in die Europäische Union wird immer wieder diskutiert, doch bisher konnte dafür in Island keine Mehrheit gewonnen werden. Aus geografischer Sicht liegt Island sowohl in Europa als auch Amerika, denn Island liegt genau auf der Nahtstelle dieser beiden Kontinentalplatten, die jedes Jahr mit der Geschwindigkeit eines wachsenden Fingernagels rund zwei Zentimeter auseinanderdriften. Wollte Christoph Kolumbus heute nach Amerika reisen, müsste er insgesamt 12 Meter weiter segeln, um die Küste Amerikas zu erreichen. Diese Nahtstelle tritt im Þingvellir besonders deutlich zutage. Die Bruchkanten der auseinanderdriftenden Kontinentalplatten haben im Laufe der Jahrtausende tiefe Furchen und Gräben im Þingvellir geschaffen. Einer dieser Gräben hat sich im Laufe der Zeit mit Schmelzwasser des 50 Kilometer entfernten Gletschers Langjökull gefüllt. Das Wasser sickert dabei in bis zu 100 Jahren über eine Strecke von 50 Kilometer durch poröses Lavagestein und wird so extrem geklärt, dass in dem Wasser, welches sich dann in dem Graben befindet, Sichtweiten von bis zu 100 Metern möglich sind. Die Spalte wird von den Isländern als Silfra bezeichnet, was auf Deutsch übersetzt so viel wie „silberne Frau“ bedeutet. Wer dort tauchen möchte, muss vorher eine Tauchgenehmigung erwerben, entweder vor Ort im Informationszentrum oder über die Webseite des Nationalparks (http://www.thingvellir.is/plan-your-visit/diving.aspx).

 

Eine weitere tauchbare Spalte ist die Davíðsgjá, die im nordöstlichen Teil des Nationalparks zu finden ist. Empfehlenswert sind auch auf den Tauchgang spezialisierte Anbieter, sie z.B. Dive.is (http://dive.is), mit denen man geführte Tauchgänge in den nicht ungefährlichen Spalten Silra und Davíðsgjá durchführen kann.

 Geothermalgebiet Haukadalur (Geysir)

Folgt man der Straße 36 weiter, kommt man kurz nach Verlassen des Parkplatzes des Besucherzentrums an einen Bereich, wo mit großen Hinweistafeln auf die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 50 km/h hingewiesen wird. Nach rechts zweigt dort die Straße 361 ab, die einen zu den weiteren Parkplätzen in Þingvellir führt. Nach links biegt die Straße F 550 ab, eine Hochlandpiste mit dem Namen Kaldidalur. Geradeaus sieht man zur Linken einen größeren Parkplatz und ein Touristenzentrum mit Informationstafeln, Shop und Café. Hier kann man die Gelegenheit zu einem kleinen Snack und Toilettengang nutzen. Wer noch weitere Spaziergänge ins Þingvellir unternehmen möchte, kann hier der Straße 361 folgen. Längs dieser Straße liegen Parkplätze, von denen aus Wanderwege ins Þingvellir führen. Die Straße 361 führt kurvenreich längs des Þingvallavatn durch Birkenwäldchen, bis diese wieder auf die Straße 36 führt. Wer keine Lust auf weitere Spaziergänge hat, kann einfach auf der Straße 36 weiterfahren und kommt nach wenigen Kilometern ebenfalls an diese Kreuzung. Der Straße 36 folgend, stößt man auf die vor wenigen Jahren neu gebaute Straße 365, der man in Richtung Laugarvatn folgt. In Laugarvatn folgt man nach links der Straße 37 durch den Ort, der am gleichnamigen See liegt. Die Straße 37 mündet nach ungefähr 24 Kilometern auf die Straße 35. Dieser folgt man nach links und wird nach weiteren 5 Kilometern auf größere Parkplätze und Gebäude stoßen.

Das nächste Etappenziel ist erreicht. Auf der linken Seite liegt das Geothermalgebiet Haukadalur, das den Namensgeber aller Springquellen, den Geysir, beherbergt. Der Geysir selbst ist aber nicht mehr aktiv, bzw. eruptiert in so großen zeitlichen Abständen, dass man nicht auf einen Ausbruch warten sollte. Aber zum Glück gibt es im Tal noch weitere Geysire. Einer davon eruptiert durchschnittlich alle 15-20 Minuten und lockt viele Touristen an diesen Ort. Die Rede ist vom Geysir Strokkur, was auf Deutsch so viel wie Butterfass bedeutet. Der Name rührt daher, dass sich die Wasseroberfläche des Strokkur kurz vor einem Ausbruch nach oben wölbt und dabei an ein Butterfass erinnert. Insbesondere im Sommer scharen sich gleichzeitig mehrere Busladungen von Touristen um den Strokkur und quittieren einen Ausbruch mit lauten „Aaahhs“ und „Ooohhs“. Das Areal wirkt mittlerweile im Sommer überlastet, was kurzzeitig dazu geführt hat, dass die Landbesitzer Eintrittsgeld erhoben haben. Aber die Regierung stoppte dieses Vorgehen. Wie Geysire funktionieren, wurde von Robert Bunsen Mitte des 19. Jahrhunderts erforscht. Die in der Erde stehende Wassersäule hat im oberen Bereich Temperaturen deutlich unterhalb des Siedepunktes von Wasser, in größeren Tiefen allerdings weit oberhalb davon. Das ist möglich, da sich durch die Wassersäule mit zunehmender Tiefe der Druck erhöht. Steigt nun dieses heiße Wasser oberhalb des Siedepunktes in Bereiche mit geringerem Druck auf, bilden sich schlagartig Wasserdampfblasen, die nach oben steigen und die darüber befindliche Wassersäule mit nach außen tragen. Wenn nun noch die Geometrie des Gesteinsgangs entsprechend ausgebildet ist, kommt es zu den Eruptionen, die im Fall des Strokkur bis zu 35 Meter hoch sein können.

Aus zahlreichen Löchern im Boden sprudelt kochendes Wasser. Diverse Warnschilder mahnen zur Vorsicht, doch kommt es immer wieder vor, dass Besucher ausprobieren müssen, ob das Wasser wirklich heiß ist. So erscheinen jedes Jahr Schlagzeilen von verbrühten Touristen in Islands Presse. Etwas weiter oberhalb des Strokkur befinden sich weitere heiße Quellen, z. B. die stark kieselgur-haltige und daher im Sonnenlicht extrem blau schimmernde Quelle Blesi. Viele Besucher haben den Glauben entwickelt, dass das Hineinwerfen von Münzen Glück bringt, und so glitzern zahlreiche Münzen in einer der heißen Quellen. Übrigens eine Unart, die von den Isländern sehr missbilligt wird. Man sollte überall darauf verzichten, Münzen in heiße Quellen oder andere Gewässer zu werfen. Es geht dadurch kein Wunsch in Erfüllung.

 

Das Vulkansystem, welches Ursprung für das Geothermalgebiet im Haukadalur ist, trägt ebenfalls den Namen Geysir, genauer gesagt den Namen „großer Geysir“. Ende des 19. Jahrhunderts versuchte der damalige Besitzer dieses Gebietes, der Bauer Sigurður Pálsson, sein Land an die isländische Regierung zu verkaufen. Die isländische Regierung ging allerdings nicht auf sein Angebot ein. Zur selben Zeit hielt sich James Craig, Sohn eines Whisky-Produzenten aus Belfast in Island auf und lernte Sigurður kennen. Er kaufte das Land, wurde aber von seinem Vater dafür gerügt, der diesen Kauf missbilligte. Das Land wurde mehrfach weiterverkauft, bis es wieder in den Besitz des Isländers Sigurdur Jónasson kam. Er vermachte das Land 1935 dem isländischen Volk.

 Wasserfall Gullfoss

Um das nächste Etappenziel des goldenen Zirkels zu erreichen, folgt man der Straße 35 noch wenige Kilometer nach Verlassen des Haukadalur. Automatisch erreicht man den Gullfoss oder auf Deutsch „goldenen Wasserfall“. Seinen Namen hat er seiner Gischt zu verdanken, die bei tief stehender Sonne golden leuchtet. In zwei, im rechten Winkel zueinanderstehenden Stufen, fällt das Wasser rund 32 Meter in die Tiefe. Zwischen den beiden Stufen liegt ein begehbares Plateau, auf dem man das Gefühl bekommt, mitten im Wasserfall zu stehen. Gebildet wird der Wasserfall durch den Fluss Hvítá, der ca. 40 Kilometer flussaufwärts aus dem Gletschersee Hvítárvatn entspringt. Dieser Gletschersee wird durch Schmelzwasser des im Hochland gelegenen Gletschers Langjökull gespeist. Im weiteren Flussverlauf unterhalb des Wasserfalls münden noch weitere Flüsse in die Hvítá, so dass sich die Wassermenge des Flusses fast verdoppelt. Kurz vor der Stadt Selfoss vereinigt er sich mit dem Fluss Sog zum Ölfusá, der dann in einer weiten Mündungsöffnung hinter Selfoss in das Nordmeer fließt. Bei eintretender Schmelze in den Sommermonaten steigen die Wassermassen auf bis zu 180 Kubikmeter pro Sekunde an. In den Wintermonaten können diese bis auf 50 Kubikmeter pro Sekunde abfallen. Die erste Stufe hat eine Höhe von 11 Metern und die zweite Stufe eine von 21 Metern. Das Wasser fließt nach dem Wasserfall in der 2,5 Kilometer langen und 70 Meter tiefen Schlucht Hvítárgljúfur ab. 1930 und 1948 gab es Gletscherläufe, die die Wassermassen auf bis zu 2.000 Kubikmeter pro Sekunde ansteigen ließen. Dabei wurde die Schlucht komplett mit Wasser gefüllt und die zweite Stufe des Gullfoss war nicht mehr zu sehen, da der Wasserspiegel über der zweiten Fallstufe lag.

 

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Wasserfall anzufahren: Ein Parkplatz liegt oberhalb des Wasserfalls, der zweite am Beginn der Schlucht. Am Parkplatz oberhalb des Wasserfalls befindet sich ein Café mit Souvenirshop, das für seine leckere Lammsuppe bekannt ist. Über Holzstege geht es von dort zum Wasserfall, der sich ungefähr 200 Meter vom Café entfernt befindet. Der Parkplatz am Beginn der Schlucht liegt näher am Wasserfall. Dort steht ein 1978 aufgestellter Gedenkstein, welcher an die Isländerin Sigríður Tómasdóttir erinnert. Sigríður lebte von 1874 bis 1957 auf dem Hof Brattholt, nicht unweit des Gullfoss. 1920 hatte eine englische Gesellschaft das Gebiet der Hvítá mit dem Wasserfall gepachtet. Die Firma hatte Pläne zur Stauung des Flusses Hvitá, um Strom zu erzeugen. Sigríður wehrte sich gegen dieses Vorhaben und drohte schließlich mit Selbstmord, indem sie sich in die Fluten des Hvítá stürzen wollte, sollte von diesem Vorhaben nicht Abstand genommen werden. Schließlich konnte eine überfällige Pachtzahlung als Anlass genommen werden, um den Pachtvertrag zu kündigen. Seitdem gilt Sigríður als Retterin dieses Wasserfalls. Heute ist der Wasserfall Eigentum des Staates und steht unter Naturschutz.

Kirche Skálholt

Das nächste Ziel auf der Route ist Skálholt, eine beeindruckende Kirche und ehemaliger Bischofssitz Islands. Man erreicht Skálholt, indem man auf der Straße 35 wieder einige Kilometer zurück in Richtung Haukadalur fährt und nach links auf die Straße 30 in Richtung Fluðir abbiegt. Der Straße 30 folgt man bis zum Abzweig zur Straße 358 in Richtung Reykholt. Auf der Straße 358 folgt man der Beschilderung in Richtung Reykholt (man wechselt dann zwischendurch noch auf andere Straßen). In Reykholt selbst befindet man sich wieder auf der Straße 35. Auf dieser geht es nach ca. 12 Kilometern nach links auf die Straße 31 in Richtung Laugarás ab. Kurz nachdem man abgebogen ist, sieht man auf der rechten Seite die Kirche Skálholt, zu der eine kleine Straße führt.

Neben der Kirche gibt es auf dem Gelände noch eine Schule, deren Kantine und Schlafzimmer in den Sommermonaten auch Touristen offensteht. Beherrscht wird der Ort von der Kirche, die mit einer Länge von 30 Metern und einer Höhe von 25 Metern zu den größeren Kirchen Islands zählt. An diesem Ort standen aber bereits größere Kirchen mit einer Länge von bis zu 50 Metern. Durch Brände oder andere Umstände wurden die früheren Kirchen zerstört und auf dem Platz immer wieder neue Kirchen erbaut. Die Fundamente älterer Kirchen können unter und neben der Kirche besichtigt werden. Die heutige Kirche wurde zwischen 1956 und 1963 erbaut.

Die schlichte Architektur und die etwas exponierte Lage auf einer Anhöhe ergibt in Kombination mit der umgebenden landschaftlichen Kulisse einen Ort, der einen zum stundenlangen Verweilen einlädt. Geschichtlich hat der Ort Skálholt eine ähnlich gewichtige Bedeutung wie das Þingvellir, wo eine Steinsäule steht, die angibt, wie viele Kilometer Skálholt entfernt ist. In Þingvellir wurde im Jahr 1056 durch Ísleifur Gissurarson ein Bistum gegründet. Am 5. Juli 1080 wurde die erste Kathedrale in Skálholt eingeweiht. Bis 1540 war das Bistum Skálholt katholisch, danach lutherisch. Im Jahr 1801 richtete man das Bistum Hólar als einheitliches protestantisches Landesbistum Islands ein. Seit 1909 ist Skálholt Wohnsitz eines protestantischen Weihbischofes.

Die heutige, moderne Kathedrale wurde im Jahr 1963 eröffnet und ist für seine Werke der modernen Kunst bekannt, sowie für diverse Gegenstände aus früheren Kirchen. In der Krypta ist eine Ausstellung aus dem Nationalmuseum zu sehen, einschließlich des Sarkophags des Bischofs Páll Jónsson (Bischof von 1195 bis 1211), der im Jahr 1954 ausgegraben wurde. Die Schule in Skálholt ist ein Bildungs- und Kulturzentrum für die nationale Lutherische Kirche. An jedem Wochenende im Juli finden etwa in der Kirche Konzerte statt, die viele Besucher anziehen.

 Vulkankrater Kerið

Nach Skálholt steht der Vulkankrater Kerið als Etappenziel an. Um zum Kerið zu gelangen, fährt man wieder zurück auf die Straße 35 und folgt dieser nach links. Nach ungefähr 30 Kilometern auf der Straße 35 liegt auf der linken Seite der Vulkankratersee Kerið (ist ausgeschildert). Hier wird ein Eintrittsgeld erhoben. Dieses beträgt ISK 350 für einen Erwachsenen (entspricht in etwa EUR 2,30, Stand: Februar 2016).

Der Krater ist 55 Meter tief und hat eine Größe von ca. 270 mal 170 Meter und damit eine Fläche von etwa 0,05 Quadratkilometer. Die Wassertiefe schwankt zwischen 7 und 14 Meter. Er ist vergleichbar mit den Maaren der Vulkaneifel und ein mit Wasser gefüllter Vulkankrater, der besonders schön anzusehen ist. Entstanden ist der Krater vor ungefähr 5.000 bis 6.000 Jahren. Bei den damaligen Ausbrüchen entstand die Kraterreihe Tjarnarhólar, von denen sich der Krater Kerið im Laufe der Jahrtausende mit Wasser gefüllt hat. Nach dem Besuch des Vulkankraters bietet sich eine gute Gelegenheit, um zu entscheiden, ob man direkt die Rückfahrt antritt. Je nach fortgeschrittener Tageszeit und Verfassung kann man an dieser Stelle die schnelle Rückfahrt nach Reykjavík antreten, indem man der Straße 35 in Richtung Selfoss weiter folgt, bis diese auf die Ringstraße führt. Wenn der Tag noch Zeit bietet und man sich noch fit fühlt, kann man die Rückfahrt über die Straße 350 antreten, die nach ungefähr 8 Kilometern von der Straße 35 nach rechts abzweigt. Am Ende der Straße 350 geht es nach links auf die Straße 360, die längs des Þingvallavatn am Geothermalkraftwerk Nesjavellir vorbeiführt. Der genaue Name des Kraftwerks ist Nesjavallavirkjun. Es wurde von 1987 bis 1990 gebaut und versorgt Reykjavík mit Strom und Wasser. Nach Passieren dieses Kraftwerks kann man entlang der Heißwasserpipelines auf der Straße 435 zurück nach Reykjavík fahren.