Rundreisen Schweden

Camping hoch drei

Von Varbergs Küste in die Wälder Skånes

Wer mobil reist, kann viel erleben. Das gilt auch für Schwedens Westküste und die südschwedische Provinz Skåne. Beide Regionen halten für eine mehrtägige Rundreise nicht nur hervorragende Campingplätze, sondern auch zahlreiche lohnenswerte Ausflugsziele bereit.

Ein Artikel aus unserem Nordis-Magazin 3/18 Text & Fotos: Stefanie Becker

Den Auftakt der Rundreise macht jedoch nicht Schweden, sondern das dänische Aarhus, wo wir auf der Fahrt gen Norden einen kleinen Zwischenstopp einlegen. Im Stadtpark und auf der Frederiksallee zwischen Ridehuset, Rathaus und dem Kunstmuseum ARos, tummeln sich zahlreiche Street-Artisten, die auf großen Holzwänden ihre farbenfrohe Kunst präsentieren. Sie bildet ein buntes Pendant zum markanten Regenbogen-Rundgang, von dem man auf dem Dach des Kunstmuseums einen fabelhaften Rundumblick über die Stadt genießt. Einen kleinen Stadtbummel später wird es Zeit weiterzufahren. 

Stenafähre – Grenaa

Im Hafen von Grenå liegt bereits die Stena-Fähre abfahrbereit am Kai. Während der Überfahrt nach Varberg stimmen wir uns am nachmittäglichen Bordbüfett kulinarisch auf Schweden ein und genießen anschließend die frische Meeresluft an Deck des Schiffes. In Varberg angekommen gilt es, den Campingplatz aufzusuchen. Es ist inzwischen Abend und als wir den Platz »Björkängs Havsbad« erreichen, ist die Rezeption seit wenigen Minuten geschlossen. Dank flexiblem Check-In-System ist das allerdings kein Problem. Ausgestattet mit übersichtlichem Plan des Geländes und Karten für Duschhaus & Co suchen wir uns auf der befestigten Wiese eine freie Parzelle und schlagen das Nachtquartier auf. Björkängs Havsbad liegt, wie der Name bereits erahnen lässt, direkt am Strand. Nur wenige Schritte über einen Dünenkamm und wir blicken direkt aufs Meer, das gerade von der abendlichen Sonne in orangewarmes Licht getaucht wird. Am Himmel zieht ein Schwarm Wildgänse vorbei. Vällkommen im Nils-Holgersson-Land. 

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Varberg. Nur wenige Minuten sind es bis zum Stadtzentrum. Unübersehbar thront die alte Festung nebst Schloss über dem 34.000-Einwohner-Städtchen. Dicke Wehrmauern und alte Kanonengeschütze lassen auch heute noch erahnen, dass die im 17. Jahrhundert fertiggestellte, ehemals dänische Festung einst zu einer der modernsten Verteidigungsanlagen Europas zählte. Das Schloss beherbergt heute das Regionalmuseum Hallands (Länsmuseum). Sehenswertestes Ausstellungsstück ist sicherlich die Moorleiche des »Bocksten-Mannes«, dessen mittelalterliche Kleidung nahezu vollständig erhalten ist. Von der Festung aus sind es nur einige hundert Schritte die Strandpromenade entlang zum alten Kaltbadehaus des Ortes. Ein langer Steg führt zu dem 1903 errichteten, orientalisch anmutenden Holzhaus mit Zwiebeltürmen. Das Gebäude steht auf Stelzen im Wasser und beherbergt einen Badebereich für Männer und Frauen und eine Sauna mit Meerblick. Ein wenig abseits der Promenade im Park Richtung Stadtzentrum hat sich ein Künstler mit skurrilen Menschen aus Stahl verewigt. Nach einem kleinen Bummel vorbei an Geschäften, Restaurants und Boutiquen gönnen wir uns am Marktplatz im Schatten der Kirche von Varberg einen Kaffee und eine Zimtschnecke, ehe wir uns auf den Weg ins Inland machen. 

Eine Wanderung zu sprechenden Steinen

Bexelsstenar

Inmitten des Naturschutzgebietes Toppbjär im Naturgebiet Åkulla Bokskogor liegen zwischen Buchen, knorrigen Eichen und Waldseen zahlreiche große und kleinere Findlinge. Die moosbewachsenen Ungetüme aus der Eiszeit verleihen vielen schwedischen Wäldern etwas Urtümliches. Hier jedoch haben sich im 19. Jahrhundert Menschen an den Felsen zu schaffen gemacht und sie mit Inschriften verziert: »Den som önskar finna de mest gyllende utsigter den bör stå upp med soluppgången« (Wer die glänzendsten Aussichten finden möchte, sollte mit der Sonne aufstehen). Urheber des Ganzen war Alfred Bexell, Sohn eines Pastors, der mit Hilfe einiger Steinmetze eine Vielzahl von Sprüchen und Namen auf Steine und Felswände hauen ließ. Heute führt ein etwa sechs Kilometer langer Rundweg von Stein zu Stein, wobei Mitglieder des Grimeton Heimatvereins die »sprechenden« Steine nicht nur von Bewuchs freihalten, sondern auch durch Bemalung sichtbar gemacht haben. 

Halmstad Prins Bertilstig

Grimeton kennt man jedoch weniger wegen Bexells Steinen, sondern vor allem wegen des bis heute einzigen vollständig erhaltenen Längstwellensenders der Welt: die Grimeton-Radiostation. Die in den 1920er-Jahren zur drahtlosen Transatlantik-Telegrafie errichtete Station ist seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe. Sie war ehemals Teil eines weltumspannenden Netzes mit New York als Zentrum. Von der schwedischen Westküste hatten die Wellen freie Bahn bis nach Nordamerika. Nicht nur die 127 Meter hohen Sendemasten auf dem Gelände zeugen von der Wichtigkeit des Kommunikationsweges. Auch eine umfangreiche Ausstellung informiert über die Geschichte und Bedeutung des Senders in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg.

Ortswechsel 

Campingplatz Varberg

Nicht weit weg von Varberg ist Halmstad unsere nächste Station. Wieder liegt der Campingplatz ein klein wenig außerhalb des Zentrums direkt am Meer. Wieder dürfen wir uns aussuchen, wo wir unser Campingmobil parken wollen. Auch auf Hagöns Camping fällt mir sofort wieder die Kinderfreundlichkeit der schwedischen Platzbetreiber ins Auge. Hier weist nicht nur das Schildkrötenmaskottchen Bosse Bo auf den gleichnamigen Kidsclub hin. Mit Minigolf-Anlage und Abenteuerspielplatz wird kleinen Besuchern auch noch einiges mehr geboten. Und im Zweifel sind es hier wieder nur wenige Schritte direkt bis zum Badestrand. Auch wenn das eher flache Wasser in der Bucht nicht zum ausgiebigen Schwimmen taugt, so steht zumindest dem Sandburgenbau und Planschen nichts im Weg. Oder man hat wie wir einen Lenkdrachen im Gepäck und nutzt die letzten Sonnenstunden des Tages für ein paar Flugstunden am Strand. 

Halmstad Camping

Halmstad, Hauptort der Provinz Halland, ist vor allem im Sommer ein quirliges und lebendiges Städtchen. In den Straßen und auf dem Marktplatz rund um den markanten Milles-Brunnen mit der Europa-Statue herrscht reges Treiben. Cafés und Restaurants locken mit ihren Außenterrassen und kleine Geschäfte laden zum Schaufensterbummel ein. Uns zieht es jedoch höher hinauf. Nicht weit vom Zentrum entfernt führt zwischen Bäumen eine breite Steintreppe den Galgberg hinauf. Hier oben schlängeln sich zahlreiche Wanderwege durch den Wald. Außerdem liegt auf halbem Wege zum »Gipfel« ein kleines Freilichtmuseum, das kostenfrei besucht werden darf. Der Mini-Skansen hält bei Weitem nicht so viele Gebäude bereit wie sein Stockholmer Pendant, aber mit Mühle, Sägewerk, alten Tagelöhner-Hütten und einigen Stallungen und kleinen Gärten gibt es doch einiges zu entdecken. Herzstück ist ein altes, falunrotes Gutshaus, das nicht nur eine liebevoll eingerichtete Bauernstube beherbergt, sondern auch ein ausgezeichnetes Sommer-Café. Mitten im Grünen genießen wir auf den Bänken vor dem Haus bei Kaffee und frischen Waffeln einen schönen Blick hinunter ins Tal. 

Halmstad Picasso Statue

Vom Zentrum von Halmstad aus beginnt am alten Schloss ein schöner Küstenwanderweg. Benannt nach dem schwedischen Prinzen und Herzog von Halland schlängelt sich der Prins Bertil Stigen 18 Kilometer die Küste entlang. Passagenweise asphaltiert ist ein Großteil der Strecke auch gut mit dem Kinderwagen oder dem Fahrrad zu meistern, nur auf den letzten Metern kurz vor Tylösand müssen wir ein wenig zwischen Steinen kraxeln. Dafür werden wir am Ende mit einem wunderschönen, langen Badestrand belohnt, an dem im Hochsommer natürlich Hochbetrieb herrscht.

Lauf- und bademüde bringt uns der Bus anschließend bequem zurück ins Stadtzentrum von Halmstad. Zurück in der Stadt und einen ICA-Überfall später brutzeln schwedische Köttbullar im Campingkochtopf, derweil im Topf Nummer zwei flugs eine frische Sauce angerührt wird. Nur bei dem Kartoffelpüree haben wir uns für den campingtauglicheren Kompromiss entschieden und zum Fertigtütenprodukt gegriffen. Dabei hält der Campingplatz, wie wir später beim Abwasch entdecken, für ambitioniertere Urlaubsköche neben der Spülküche sogar Herd und Mikrowelle bereit. 

Halmstad Camping Strand

Die Küste lang südwärts

Auf dem Weg zu Campingplatz Nummer drei lassen wir uns Zeit und erkunden noch ein wenig die Küste Hallands. Laholm lockt mit einem historischen Stadtkern und Kopfsteinpflastergässchen, und Mellbystrand punktet mit Schwedens längstem Sandstrand.

Mellbystrand – Schwedens längster Sandstrand

Allmählich verändert sich die Landschaft. Immer mehr landwirtschaftlich genutzte Flächen prägen das Bild. Felder und Äcker, wohin das Auge blickt – nicht umsonst bezeichnet man Skåne auch gerne als die »Kornkammer Schwedens«. Rund um Röstånga Camping ist davon jedoch wenig zu merken. Der Platz liegt inmitten eines großen Mischwalds am Rande des Nationalparks Söderåsen. Im Vergleich zu den Küstenplätzen erstrecken sich hier die Stellflächen auf mehreren Wiesen und Ebenen. An einem flachen Hügel versammeln sich kleine Ferienappartements zu einer Art Minidorf. Für Kinder ist der Platz mit seinen zahlreichen Spielstationen, Verstecken und Wasserläufen sicherlich ein wahrer Abenteuerpark. Selbst Angeln und Kanufahren kann man hier auf einem eigens dafür angelegten See, dessen Inselchen man über Brücken und ein Floß erreichen kann. In der Hauptsaison verspricht außerdem das benachbarte zum Platz gehörende Schwimmbad mit Wasserrutsche vergnüglichen Badespaß.

Campingplatz Röstånga

Die Nähe zum Nationalpark Söderasen macht den Platz zu einem idealen Ausgangspunkt für Wandertouren. Auch wir schnüren gleich nach Ankunft unsere Wanderschuhe und machen uns auf den Weg zum nahegelegen Naturum. Hier bekommen Besucher nicht nur Infos zur Flora und Fauna der Region, sondern auch Kartenmaterial sowie zahlreiche Flyer und Tipps für nahe und weitergelegene Ausflugsziele. Wir verlassen uns neben der Karte auf unser GPS-Gerät und gehen auf Geocache-Schatzsuche im nahegelegen Waldgebiet. Die Runde führt uns bis zu einem verlassen daliegenden Waldsee, der von steilen Felsen umgeben ein tiefschwarzes Geheimnis zu verbergen scheint. Ein schmaler Pfad führt oberhalb des Sees die Klippen entlang durch einen von moosigen Findlingen durchsetzten Wald, dem nun bei einbrechender Dunkelheit etwas Ronja-Räubertochter-Magie anhaftet. Zurück am Platz mit Blick auf die in der Abendsonne über dem Teich tanzenden Mücken und dem leisen Plätschern des Wassers ist dieser Zauber noch lange nicht verflogen.

Wer keine Kilometer scheut, der kann von Röstånga aus hervorragend in alle Himmelsrichtungen auf Tagestouren starten. Wir entscheiden uns für eine kleine Skåne-Rundtour und statten Ystad, der Schiffssteinsetzung Ales stenar und der Domstadt Lund einen Besuch ab. Den Anfang macht jedoch eine nahegelegene Schloss- und Klosteranlage. Während Gartenfans sicherlich bei den zahlreichen gutgepflegten Blumenrabatten ins Schwärmen geraten, begeistert uns vor allem der klostereigene Tierpark mit Lamas, Ziegen, Eseln und Zwergponys und einer uralten, mehr als 1.000-jährigen Eiche, deren Krone noch immer dichtes Laub ziert, obwohl ihr Inneres von Unwettern und Insektenfraß inzwischen gänzlich ausgehöhlt wurde. Ystad, der Krimischauplatz Wallanders, verströmt im leichten Nieselregen genau die richtige Stimmung. Den leicht düsteren Hauch von Nordic Noir können auch die zahlreichen schmucken alten Häuschen und gepflegten Blumenrabatten nicht vertreiben. Als wir schließlich die Küste erreichen, hat der Regen aufgehört und zwischen den Wolken wagt sich erneut die Sonne hervor. Hier auf dem Hügel oberhalb des Hafens von Kåseberga kann man die rund 70 Meter lange, Schiffssteinsetzung aus 59 Steinblöcken bewundern, die vor mehr als 5.500 Jahren errichtet worden ist. Wer fangfrische Meeresfrüchte mag, sollte anschließend im Hafen bei Kåseberga Fisk vorbeischauen.

Alestenar

Auf dem Rückweg machen wir am späten Nachmittag Halt in Lund. Die Dom- und Studentenstadt hat seinen Besuchern einiges zu bieten. Nicht nur der mittelalterliche Dom, auch der historische Stadtkern mit der Universität, der Bibliothek und den umliegenden, alten Straßenvierteln und dem Freilichtmuseum Kulturen verströmen den Charme längst vergangener Zeiten. Sie treffen auf das frische, modern-urbane und international geprägte Lund, nicht zuletzt dank der vielen Studenten, die an der 1666 gegründeten Universität ihren Studien nachgehen.

Ein letzter Abend auf dem Campingplatz, ein letztes Mal vor dem Zelt am Wasser sitzen, auf der Gasflamme des Campingkochers ein improvisiertes Menü zaubern, dann wird es für uns Zeit, die »Zelte abzubrechen«. Bei einem letzten Stopp in Malmö macht uns das strahlende Sommersonnenwetter den Abschied von Schweden noch einmal schwerer, ehe wir schlussendlich über die Öresundbrücke die Heimfahrt antreten. Doch keine Frage: Wir kommen wieder. 

Allgemeine Informationen

Übernachtung

  • Björkängs Havsbad, Havsbakvägen, S-43276 Tvååker
  • Hagöns Camping, Hagöstigen 1, S-30260 Halmstad
  • Röstånga Camping & Bad, Blinkarppsvägen 3, S-26868 Röstånga
  • Mehr Infos auch unter www.nordic-camping.se

Erleben & Besuchen

  • Varberg Festung & Länsmuseum Varberg Fästningen, S-432 44 Varberg, www.landsmuseet.varberg.se
  • Welterbe Grimmten, Radiostationen Grimmten 72, S-432 98 Grimmten, www.grimeton.org
  • Bossjö Kloster & Gärten, Bosjökloster 111, S-243 95 Hör, www.bosjokloster.se
  • Ystad: www.visitystadosterlen.se
  • Lund: visitlund.se
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