Auf der Suche nach Ingmar Bergman

Im Vorfeld zum Kinostart: Margarethe von Trotta in der Lichtburg Essen

Text: Susanne Schernewski

Ein paar Momente machten einen frösteln – und das lag nicht unbedingt am gut klimatisierten Kinosaal… Mit ihrem ersten sehr persönlichen Dokumentarfilm nähert sich Margarethe von Trotta dem schwedischen Meisterregisseur und Menschen Ingmar Bergman, dem es stets um »die Wahrheit über die Natur des Menschen« ging. Die filmischen Zutaten: seltene Archivaufnahmen und Filmausschnitte sowie intensive Gespräche mit seiner Familie, Schauspielern und Wegbegleitern wie Liv Ullmann, Daniel Bergman, Ruben Östlund, Carlos Saura, Gabi Dohm und Rita Russek . Am 7. Juli stellte die deutsche Filmemacherin ihren Dokumentarfilm »Auf der Suche nach Ingmar Bergman« vor Kinostart in der Essener Lichtburg vor.

Wenn Daniel Bergman, Sohn von Ingmar Bergman und Käbi Laretei, offen in die Kamera gesteht, dass er seine Eltern nach deren Tod nicht vermisst habe, kommt ein unangenehmes Gefühl leichter Kälte auf. Worte, die auch Margarethe von Trotta nachdenklich machen. Diese Erkenntnis, dass er so wenig Zugang zu seinen eigenen Kindern hatte, sei für sie »erschütternd« gewesen.

Ingmar Bergman – das ewige Kind. Ein Filmemacher, Theaterregisseur und Autor, dem die eigene Kindheit offenbar wichtiger war als die eigenen Kinder. Ein begnadeter Künstler mit einer facettenreichen Persönlichkeit, der sich in finsteren Bildern gerne am Abgrund der menschlichen Seele bewegte. »Ist nicht Kunst immer eine gewisse Therapie für den Künstler?«, fragt er, der so oft Menschen zeigte, die in einer gottlosen Welt sich selbst überlassen sind.

Ein Denkmal für eine Filmlegende

»Ich wollte ihm als Filmemacher ein Denkmal setzen«, erklärt sich von Trotta ihrem Publikum an diesem Abend. Schließlich war es sein Film »Das siebente Siegel« (1957), der in ihr den Wunsch weckte, selbst Regisseurin zu werden. So beginnt und endet diese Dokumentation auch auf der Ostseeinsel Fårö, wo Bergman »Das siebente Siegel« drehte, wo er später lebte und 2007 verstarb. »Hier hat alles begonnen«, sagt sie über ihre emotionale Reise.

Zunächst habe sie diesen Film gar nicht machen wollen. »Wenn man über seinen Meister reden muss, kriegt man ja einen Schreck. Aber dann habe ich klein beigegeben«, lacht sie. Und so entstand ihr erster Dokumentarfilm, ein neues Genre über einen Mann, den sie so sehr verehrt. »Das war keine leichte Aufgabe, ich hatte Ängste. Einer solchen Größe darf man ja kein Unrecht tun.« Aber Ingmar Bergman, so weiß die Filmemacherin, »der hatte ja auch so seine Ängste«.

Zwei Regiegrößen unter sich

In nur fünf Monaten produzierte von Trotta den Film mit ihrem Sohn Felix Möller über eine Legende, die sie aus heutiger Sicht mit »autoritär, aber kein Diktator« charakterisiert. Nicht ohne Stolz greift sie in ihrem Film das größte Kompliment auf, das sie von Bergman erhielt: Nach seinen zehn Lieblingsfilmen gefragt, nannte er von Trottas »Die bleierne Zeit« aus dem Jahr 1981, für den sie in Venedig den Goldenen Löwen entgegennahm.

Zwei Regiegrößen unter sich – in gegenseitigem Respekt vereint. »Das ist doch schon ein gewaltiges Leben gewesen«, sagt von Trotta so nachdenklich wie anerkennend. Es ist der Schlusssatz, den sie an diesem Abend an ihr Publikum weiterreicht.

 

Info: Am 14. Juli 2018 hätte Ingmar Bergman seinen 100. Geburtstag gefeiert. »Auf der Suche nach Ingmar Bergman« kommt am 12. Juli bundesweit in die Kinos.

Aufmacherbild: Premierenabend in der Lichtburg Essen, © susa